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© Wikimedia Commons / Dona i ocell al Parc de Joan Miró

Kraftvoll, bunt und voller Lebensfreude: Das zeichnet nicht nur Spanien aus, sondern auch die Werke des Künstlers Joan Miró. Bildquelle: © Wikimedia Commons / Dona i ocell al Parc de Joan Miró 

Das Erfolgsgeheimnis der Weltmarke Miró

Wie gelang es dem Surrealisten Joan Miró, mit seiner Kunst berühmt, ja sogar unsterblich zu werden? Weil er fünf Grundsätze beachtete. Viele Marken der Gegenwart können von ihm lernen.

Miró lebte den Aphorismus ‚Kunst kommt von Können’. Hart und beharrlich entwickelte er seine künstlerisch-technischen Spitzenleistungen und legte damit die feste Basis seiner Marke.“

Seine Werke sind Millionen wert, etwa das Gemälde „Etoile bleue": 2012 wurde es bei Sotheby's für 36,9 Millionen Dollar versteigert. Selbst heute noch, 125 Jahre nach seiner Geburt in Barcelona, ist der Künstler Joan Miró berühmt – im Gegensatz zu den meisten Künstlern seiner Zeit.

Dieser Erfolg über den Tod hinaus liegt in der Marke Miró begründet: Mit fünf wichtigen Markenregeln brachte er es zu Weltruhm, der bis heute nichts an Kraft verloren hat. Unsere Marken der Gegenwart können von seiner Zugänglichkeit, seinem Gestaltungswillen und seiner Perfektion lernen.

1. Die Zeichen: Mirós Kunst ist klar erkennbar

Wer im Spanienurlaub im Museumsführer blättert oder das Tourismusportal besucht, kommt an Miró nicht vorbei. Seit 1983 verwendet Spanien das von ihm entworfene Destinations-Logo. Es zeigt neben dem Schriftzug „España" einen stilisierten Stern und eine Sonne.

Natürlich passt die Sonne gut zu Spanien. Aber in der Kombination mit dem Stern und der Art der Darstellung gehört sie zugleich zu den Markenzeichen Mirós. In jedem seiner Werke finden sich stilisierte Motive, die das Universum und die Natur symbolisieren. Neben Sonne und Stern auch Mond, Auge, Vogel und Frau. Oft braucht es nur einen flüchtigen Blick, um einen Miró zu erkennen.

Miró war ein Künstler, der eine Vielzahl kräftiger Farben einsetzte: gelb, rot, orange. Damit verlieh er seinen Werken einen typischen energetischen Schwung, der ihn von den Stilen anderer Zeitgenossen abhebt.

Miró war nicht nur Maler, sondern auch der Schöpfer zahlreicher Skulpturen mit teils monumentalen Dimensionen. Auch sie erkennt man schnell an seinem Stil, weil er auch dafür seiner Symbolik, Formensprache und meist auch seinen Farben treu blieb.

In den vielen Jahrzehnten seines künstlerischen Schaffens arbeitete Miró mit den für ihn typischen Zeichen. Er erreichte damit einen hohen Eindeutigkeitsgrad seiner Werke – ein Grundkriterium starker Marken.

2. Überraschungen: Unsterbliche Kunst ist nie gewöhnlich

In jeder seiner Schaffensphasen ragte Miró aus der Masse heraus: In seiner Ausbildung zum Künstler in Barcelona, seiner Zeit in den 1920ern und 30ern in Paris, als er mit Picasso, Dalí und Max Ernst den Surrealismus mitentwickelte, und ab 1956 auf Mallorca. Stets zeichnen sich seine Werke durch energiereiche Farben, scheinbar einfache Symbole und weiche Formen aus. Von den einen wird sein Stil wohlwollend als „heitere Naivität" bewundert, von anderen als „infantile Kunst" geschmäht.

Mirós Vorgehen war ungewöhnlich bis in die Benennung seiner Bilder hinein. Obwohl er in Spanien aufwuchs, tragen alle seine Bilder französische Namen, etwa „Le soleil rouge" und „L'or de l azur". Eine Hommage an seine Zeit in Paris – und gleichzeitig ein Zeichen seiner Marke. Miró erkannte, dass die Gewöhnlichkeit der Feind jeder Marke ist. Oder, anders gesagt: Starke Marken überraschen im positiven Sinne und langweilen nicht.

3. Spitzenleistungen: die Grundlage der Marke Miró

Von vielen Surrealisten unterschied sich Miró in seiner Arbeitsweise und seinem Tempo. Er arbeitete extrem lange an jedem Werk, weil er vor dem eigentlichen Malprozess mehrere Vorstudien anfertigte. Damit tarierte er die Komposition fein aus und experimentierte solange an den Effekten, bis sie in seinen Augen perfekt waren. Jedes seiner Werke beruht auf einem extrem gewissenhaften und substanziierten Arbeitsprozess.

Miró war überzeugt, dass die Basis großer Kunst eine handwerklich saubere Herangehensweise ist. Sein Drang zur Perfektion umfasste auch das Material, mit dem er arbeitete. Hier machte er keine Kompromisse. Lieber litt er unter Hunger als auf seine Malutensilien zu verzichten.

Ebenso akribisch suchte er nach neuen Techniken und inspirativen Quellen. Nicht zufällig siedelte er Anfang der 1920er nach Paris über und suchte den Austausch mit führenden modernen Künstlern. Zugespitzt gesagt war Paris zu dieser Zeit für Kunst, was heute das Silicon Valley für Digitalisierung ist: ein Ort mit enormer Dichte an Zukunftsdenkenden, die ihr Handwerk verstehen und sich gegenseitig inspirieren.

Wie heute im Silicon Valley haben sich diese Künstler nicht abgeschottet, sondern ihre neuen Werke vorgestellt und mit gemeinsamen Gedanken perfektioniert. Miró fand so den Austausch mit René Magritte und dem deutsch-französischen Maler Hans Arp, mit denen er in direkter Nachbarschaft wohnte. Miró lebte den Aphorismus „Kunst kommt von Können". Hart und beharrlich entwickelte er seine künstlerisch-technischen Spitzenleistungen und legte damit die feste Basis seiner Marke.

4. Unbedingter Gestaltungswille: eine Triebfeder der Marke Miró

Es ist eine Eigenheit aller großer Künstler: der Wille, die Kunst nach ihrer Façon zu gestalten. Das gilt für die Künstler der Renaissance, das gilt für Miró und das gilt für die größten deutschen zeitgenössischen Künstler Gerhard Richter sowie Georg Baselitz.

Mit seiner Symbolik, Farben und Formgebung brannte Miró seinen Willen in die Kunst ein. Mit seiner scheinbar einfachen Malweise war er ein Kunstrebell seiner Zeit, was noch heute seine Wirkung entfaltet. Sein Gestaltungwille trieb ihn zu einer enormen Produktivität: Allein über 2000 Ölgemälde und 500 Skulpturen sind von ihm erhalten. Und es ist nicht verwunderlich, dass er bis zu seinem Tod mit 90 Jahren arbeitete.

5. Vom Insidertipp zum Star: Die Marke Miró war erst begehrt, dann bekannt

Als Miró von Barcelona nach Paris übersiedelte, kannte ihn kaum jemand. Aber jene, die ihn kannten, waren echte Fans seiner Kunst. Ernest Hemingway lieh sich 1925 Geld, um das Gemälde „La ferme" zu erwerben. Miró hatte in den Anfangsjahren wenige Kunden, aber die wurden von seiner Kunst magisch in Bann gezogen.

Miró war zu Beginn eine klassische „In Brand". Erst mit dem Wechsel zum New Yorker Galleristen Pierre Matisse (Sohn des Henri Matisse) begann sein Aufstieg zur „Star Brand". Er war nach wie vor begehrt – doch nun nicht von wenigen, sondern von vielen.

Miró: das Paradebeispiel einer zugänglichen Marke

Viele Künstler sind eher elitär: Ihre Werke hängen in großen Museen und die Besucher nähern sich ihnen ehrfürchtig. Außerhalb der Museumsmauern fällt es schwer, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Miró ist anders: Seine Kunst ist nahbar, stilistisch und örtlich. Wir finden seine Kunst im España-Logo, auf öffentlichen Plätzen in Palma oder Madrid oder im Logo der katalanischen Großbank „Caixa".

In Sachen Nähe und Zugänglichkeit können andere Marken von Miró einiges lernen. Marken, die unnahbar und verschlossen bleiben und die digitalen Schnittstellen zu den Kunden nicht besetzen, werden es künftig schwer haben. Marken hingegen, die digital nahbar sind (etwa Amazon, Google, AirBnB) und den Kontakt mit ihren Kunden pflegen, sind aktuell die großen ökonomischen Gewinner. Diese Marken sind nahbar wie Miró.

 

Haben Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Artikel? Alexandra Fischbäck freut sich über Ihre E-Mail.

 

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