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Learnings vom BrandTrust Future Circle on the road in Tel Aviv

Es geht in Israel um das Streben nach Neuem, Besserem, Überlegenerem. Diese Mischung ist der ideale Nährboden für die dortige Tech-Revolution. 

Niemand muss perfekt sein – aber schnell! 7 Learnings aus Tel Aviv

Abstract
Die „Learning Journey“ nach Israel organisierten wir im Rahmen unseres BrandTrust Future Circles – ein Eventformat, das sich seit 2005 zu einem hochkarätigen Thinktank entwickelt hat. Wir waren eine bunte Gruppe – fünf Nationalitäten, von Millennials bis Baby Boomer, von ICC Tech bis Lifestyle.

Israel ist eine Startup-Nation mit einem ganz besonderen Spirit. Diesen wollten wir kennenlernen, also reisten wir im Oktober 2019 nach Tel Aviv. Unsere wichtigsten Eindrücke in 7 Learnings.

Die digitale Doktrin der Geschwindigkeit passt ideal zum israelischen Überlebens-Mindset.

Weitere Informationen zur Learning Journey nach Tel Aviv.

1. Eine Gesellschaft außerhalb der Komfortzone

Was ist Agilität? Dazu gehören in Israel eine ständige Bedrohung, knappe Ressourcen und der unbedingte Wille, sich aus dieser Lage zu befreien, ohne neue Abhängigkeiten aufzubauen. Letzten Endes agiert in diesem Land fast jeder außerhalb seiner Komfortzone. Als Deutscher kommt man sich dort manchmal vor wie der Bewohner eines Pflegeheims.

Auf dem Rothschild-Boulevard in Tel Aviv beobachteten wir eine Szene, die den besonderen israelischen Mix aus Wachsamkeit und Fitness zeigte: Zwei Radfahrer stießen zusammen (zu Regeln im Allgemeinen und Verkehrsregeln im Besonderen haben Israelis ein leicht gestörtes Verhältnis) und eine Frau fiel von ihrem Rad. Blitzschnell versammelten sich Menschen um die Beteiligten, halfen, regelten den Verkehr und brachten die Situation in Windeseile in Ordnung. Keiner gaffte (nur wir), keiner wurde laut, niemand war unbeteiligt.

Die Israelin, die uns begleitete, kommentierte den Vorfall lässig: „Wir waren alle beim Militär, sind fit und wachsam. Deshalb gibt es hier keine Taschendiebstähle oder sonstige Straßendelikte. Die bösen Jungs wissen ja nie, wen sie vor sich haben."

2. Digitalisieren ist kein Heilsversprechen

Manchmal knallt einem eine simple Wahrheit wie ein nasses Handtuch ins Gesicht, gerade in einem inspirierendes Umfeld. Einer unserer Learning-Journey-Teilnehmer lies mich das mal wieder spüren: „Man sollte keine schlechten Prozesse digitalisieren." Das ist eine so simple Wahrheit. Zeigt sie doch, dass die digitale Transformation mehr mit der Transformation des Mindsets zu tun hat als mit der Technologie.

Bevor man anfängt, seine Prozesse zu digitalisieren, sollte man sich erst einmal fragen, ob sie kundenzentriert sind und den aktuellen Erwartungen entsprechen. Ob sie Mitarbeiter entlasten, Kosten sparen und die Kraft der Marke besser nutzen könnten.

3. Israel ist eine Startup-Nation

Der Mindset dieser Nation ist wach und kraftvoll: Er baut nicht auf Stabilität und Bewahrung, sondern auf ständige Entwicklung. Es geht in Israel um das Streben nach Neuem, Besserem, Überlegenerem. Diese Mischung ist der ideale Nährboden für die dortige Tech-Revolution, denn: „Mission impossible does not exist". Startups werden von Regierung und Militär stark unterstützt.

Israel ist mit seinen rund 8 Millionen Einwohnern ein kleiner Markt, er zwingt Startups zu einer erhöhten Wettbewerbsfähigkeit. Und die wiederum macht fit für den globalen Markt. Die DACH-Länder kommen einem bei dieser Dynamik langsam und zu selbstzentriert vor.

Wer mit einem Startup schon einmal auf die Nase gefallen ist – 97% der Gründungen scheitern –, hat bei den Banken bessere Chancen auf Kredit als ein Neustarter. Die Logik dahinter: Es ist weniger riskant, jemandem Geld zu geben, der schon mal hingefallen und wieder aufgestanden ist.

„John F. Kennedy to Ben Gurion: Can you imagine how hard it is to be president of 250 Million Americans? Ben Gurion to Kennedy: Can you imagine how hard it is to be the president of 3,5 Million presidents?"

4. Israelis kennen den schnellsten Weg zur zweitbesten Lösung

In Israel waren die Menschen schon immer getrieben. Schon zur Staatsgründung fand der erste Krieg gegen die arabischen Nachbarstaaten statt. Um zu überleben, mussten sie von Anfang an pragmatisch sein, nah an der Realität. Pragmatismus beherrscht auch heute noch das wirtschaftliche Leben. Man hat den Eindruck: Not und Druck erzeugen diese besondere Innovationskraft.

Die digitale Doktrin der Geschwindigkeit passt ideal zum israelischen Überlebens-Mindset. Es geht nicht um die Originalität der Idee, sondern um die Geschwindigkeit der Umsetzung. Es geht weniger um Perfektion, sondern um Schnelligkeit. Dieser Satz bringt es auf den Punkt: „Israelis know the fastest way to the 2nd best solution."

 

5. Ein Löwe ist in Wirklichkeit eine fette Katze

Chuzpe ist ein wichtiges Thema: Die Ellenbogen auch mal einsetzen und sich zur Not den Weg frei kämpfen. Fehler werden als konstruktive Experimente angesehen und jene, die schon mal gescheitert sind, werden eher finanziert wie die Rookies. Man war halt immer die kleine Nation – eingeklemmt zwischen den großen arabischen Staaten, die einen vernichten wollten. Was blieb da anderes übrig als Chuzpe zu entwickeln? Taking risks is routine.

Chuzpe ist eine Mischung aus intelligenter Unverschämtheit, charmanter Penetranz und unwiderstehlicher Dreistigkeit.

6. Cybersecurity gehört zu den Topthemen

In Israel interessiert man sich sehr für digitale Sicherheit, denn sie erhöht die Sicherheit in der Realität. Darum wird in diesem Feld massiv investiert und geforscht. Einer der größten Cybersecurity-Anbieter weltweit ist hier ansässig, mit rund 100.000 Kunden.

Mit dem ganz eigenen israelischen Pragmatismus hörte ich die bisher beste Definition, was eine Cloud ist und warum wir eher ungern unsere Daten in eine Cloud auslagern: „What is a cloud? Someone else's computer."

7. Überrasche, wenn Du nicht überzeugen kannst

In unserem Geschäft müssen wir, die Menschen bei BrandTrust, überzeugend sein. Das gilt im Prinzip für jeden Unternehmensberater. Aber im Gegensatz zu vielen Kollegen haben wir weder Marktforschungsdaten noch Excel-Tabellen, auf denen wir Business-Strategien oder Cost-Cutting-Programme aufbauen können. Die Macht der Zahlen spielt bei der Markenführung eher die Rolle, Effekte messen zu können, aber weniger die Ursachen für Erfolg zu finden. Wir müssen den Kunden zu einer Lösung führen, an die er glaubt, von der er überzeugt ist. Dabei müssen wir sehr überzeugend agieren. Das ist bei einem weichen Thema wie der Marke und vielen Meinungen im Raum oft nicht leicht.

Was ich in Israel dazu gelernt habe: Wenn man nicht überzeugen kann, sollte man es mit Überraschung probieren: Den Diskussionspartner zu verblüffen – mit Optionen oder Denkansätzen, an die er selbst nie gedacht hätte –, kann eine festgefahrene Diskussion wieder in Schwung bringen. Das heißt: Oft ist anders das bessere Besser.

 

Haben Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Artikel? Dann freuen wir uns auf Ihre E-Mail.

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