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13. Januar 2017

Die Elbphilharmonie: sündteuer – aber lohnend für Hamburg

Hamburg bekommt mit der Elbphilharmonie ein Wahrzeichen, von dem es langfristig als Destinationsmarke profitieren wird. Die Kritik zu Beginn ist nicht ungewöhnlich, das zeigen etliche erfolgreiche Architekturbeispiele.

Die Geschichte großer Bauwerke lehrt: Was zu klein gedacht wird, wird nie richtig groß. Deshalb schaffen es große öffentliche Prestigeprojekte kaum, skandalfrei über die Runden zu kommen. Die Planer trauen sich nicht, von Anfang an zu sagen: Bedeutung für mehrere Generationen ist ohne großen Mut und Risiko nicht zu haben.

Die Stadtväter von Hamburg können sich relativ sicher sein, dass sich die Elbphilharmonie, die heute von vielen als uferloses Investment angeprangert wird, in ein neues Wahrzeichen der Stadt Hamburg wandeln wird – bereits mittelfristig, und langfristig allemal.

Hamburg erhält nach der ehemaligen Bedeutung als Hafen- und Speicherstadt ein neues, deutlich sichtbares Gesicht und eine neue Bedeutung als Kulturstadt Europas. Für diese Markenbildung hat man letztlich fast 800 Millionen Euro investiert. Eine realistische Einschätzung der Kostendimension in einer früheren Phase hätte dem Projekt gut zu Gesicht gestanden.

Sydneys Oper: zwischen Idee und Eröffnung liegen 33 Jahre

Der Hamburger Stadtsenat hätte – als er sich 2003 für den Bau entscheiden sollte – zu den Kollegen nach Sydney fahren sollen. Diese hätten ihm berichtet, dass das Sydney Opera House 1940 erdacht, 1957 als Ideenwettbewerb ausgeschrieben und erst 1973 (anstatt 1965) eröffnet wurde. Und dass die Kosten von ursprünglich 3,5 Millionen auf über 50 Millionen Britische Pfund stiegen.

Der Eifelturm – ein „nutzloser Fabrikschlot"?

Die Hitliste der touristisch attraktivsten Bauwerke der Welt zeigt: Sie wären nie entstanden, hätte man finanzielle und planende Vernunft walten lassen. Das Wahrzeichen von Paris, der Eiffelturm – als Eingangsportal für die Weltausstellung und in Erinnerung an das hundertjährige Jubiläum der französischen Revolution errichtet – wurde von den Intellektuellen als „nutzloser Fabrikschlot" gebrandmarkt. Die politischen Vertreter wären angesichts dieser harten Gegenbewegung wohl eingeknickt. Allein der Erbauer und private Investor Gustave Eiffel war von seiner Idee dermaßen überzeugt, dass er sich durch nichts beirren ließ. Er sicherte sich die Rechte an seinem Bauwerk über eine 20-jährige Konzession.

Seitdem zog der Eiffelturm über 300 Millionen Besucher in seinen Bann und schaffte es auf die Weltkulturerbe-Liste der UNESCO. Selbst das private Engagement konnte nicht verhindern, dass sich die Baukosten um das 2,5-fache erhöhten – aber dabei blieb es dann auch.

Neuschwanstein? Die Bürger hätten es verhindert

Viele historische Bauwerke errangen ihren Wert als Marke erst im Laufe der Geschichte: Weder der Prachtbau des barocken Schlosses von Versailles, noch sein bayerisches Gegenstück in Neuschwanstein hätten eine Volksabstimmung während ihrer Entstehung überlebt. Ludwig II. wollte sich ein idealisiertes Ritterschloss zum privaten Rückzug leisten, ganz ohne den Anspruch, eines der meist besuchten Bauwerke Deutschlands zu errichten. Heute ist das Bauwerk eine sichere Einnahmequelle für die bayerische Schlösserverwaltung.

Las Vegas? Dubais Architektur ist bedeutender

Der kühne Bau des Burj Al Arab hingegen sollte – als privates Investment von 1,5 Milliarden Dollar – einer ganzen Nation ein unverwechselbares Gesicht geben. Das über 320 Meter hohe Hotelgebäude in Form eines Segels dient seit 1999 den Vereinigten Emiraten als Ikone und Symbol der Finanz- und Leistungskraft. Entstanden ist ein„Landmark" mit hoher touristischer Anziehungskraft, mitten im zunächst als wenig attraktiv geltenden Wüstenstaat des Nahen Ostens.

Dabei sehen die wenigsten der knapp 20 Millionen Besucher dieses Luxushotel von innen. Das Entscheidende ist die Botschaft und Bedeutung, die es vermittelt. Durch dieses und weitere folgende Architekturprojekte – allesamt von Weltrang – hat Dubai die Nr.1-Position als Ort bemerkenswerter Architekturensembles erobert. Und Las Vegas hat das Nachsehen.

 

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„Die Hitliste der touristisch attraktivsten Bauwerke der Welt belegt: Sie wären nie entstanden, hätte man finanzielle und planende Vernunft walten lassen.“

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