Telefon E-Mail Social Media
X
Telefon
Nürnberg:
Tel. +49 911 933 57 80

Wien:
Tel. +43 1 890 2018
Social Media
Follow us:
YouTube Twitter Facebook
Instagram Xing LinkedIn

„Die EU war ursprünglich ein Friedensprojekt und ein Wohlstandsprojekt. Diese Gründungsidee müsste man restaurieren, heute müsste es aber „Nie wieder Ungerechtigkeit“ heißen.“ 

„Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit müssen die Pfeiler Europas sein“

Wie geht es weiter mit der Marke Europa? Sie braucht ein emotionales und identitätsstiftendes Leitbild, eine Antwort auf die Frage „Was ist europäisch?“ Unser Partner Achim Feige im Interview mit der Zeitung „20 Minuten“.

Wie steht es um das Image der EU bei ihren Bürgern heute?

Achim Feige: Die Marke EU ist völlig verwässert und ruft mehr Ablehnung als Anziehung hervor. Die Errungenschaften der EU – nie wieder Krieg in Europa oder Wohlstand für möglichst viele Menschen – werden nicht mehr gelebt und nicht mehr erzählt. Es gibt keine Zukunftsfaszination mehr. Marken und auch politische Ideologien sind immer Konzepte des Wünschenswerten. Der EU fehlt die verbindende, lustvolle Vision. Es stehen nur noch Probleme im Vordergrund – Eurokrise, Flüchtlingskrise, Terrorismus.

Ist denn die EU nur ein Opfer der Zeit oder hat sie auch Fehler begangen?

Feige: Vielleicht hat Europa die ursprünglichen Ziele auch einfach erreicht. Die Länder sehen den Nutzen der EU nicht mehr, sondern wieder vermehrt ihre nationalen Interessen. Es war aber sicher ein großer Fehler, kein emotionales, positives, identitätsstiftendes Leitbild zur Frage „Was ist europäisch?“ zu definieren. Die EU hat sich von den Menschen entfernt und begreift sich nur noch als politisches und technokratisches System. Europa steht nur noch für eine Währung, für einen abstrakten Wirtschaftsraum.

Kann die EU ihr Image bei den Bürgern wieder auf Vordermann bringen?

Feige: Es wäre jetzt die Aufgabe der Union, sich auf die Gründungswerte zu besinnen und daraus eine Zukunftsvision zu entwickeln. Wofür wollen wir in der Welt stehen? Welche Werte tragen wir hinaus? Eine Imagekampagne bringt da nichts. Es braucht echte Programme, hinter denen die Menschen mit Überzeugung stehen können.

Sehen Sie denn Hoffnung, dass die EU das schafft?

Feige:  Ja, ganz klar. Die EU muss auf ihren Werten aufbauend einen Weg in die Zukunft finden.

Gibt es für Europa überhaupt solche Werte, die alle Länder miteinander verbinden?

Feige: Es gibt gewisse Grundlagen. Die christliche Tradition von Nächstenliebe, die Schlagworte der französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Dazu bräuchte es einen Werteprozess, um zu definieren: Was ist europäisch? Welche Mission hat Europa? Wofür ist Europa gut? Auf der Markenebene würde ich hier den Vergleich mit Tesla machen. Elon Musk verkauft 500.000 Stück eines Autos, das noch nicht existiert, weil eine Idee dahinter steht, mit der die Leute sich identifizieren – die Idee von nachhaltigem Verkehr. Europa braucht eine solche Idee, hinter der alle Menschen von Portugal bis Litauen stehen können, die jeden zum Europäer macht.

Hat es diese Idee je gegeben oder muss die von Grund auf neu erfunden werden?

Feige: Die EU war ursprünglich ein Friedensprojekt und ein Wohlstandsprojekt. Diese Gründungsidee müsste man restaurieren, heute müsste es aber „Nie wieder Ungerechtigkeit“ heißen. Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit müssen die drei Grundpfeiler Europas sein.

Es gibt ja den amerikanischen Traum – vom Tellerwäscher zum Millionär. Wie würden Sie den europäischen Traum formulieren?

Feige:  Lebensqualität für alle – während es in den USA extrem um Reichtum geht, steht in Europa die Lebensqualität im Vordergrund. Die umfasst viel mehr Ebenen: Wohlstand, Ökologie, Gerechtigkeit.

Wenn Sie den Markenkern der EU definieren, wie müsste der sein? Cool, sexy, authentisch?

Feige: Frei, individuell, verantwortlich, dialogfähig, kreativ.

Das klingt für mich nach einem föderalistischen System.

Feige: Wie die Kantone in der Schweiz, ja. Die Dinge müssen auf möglichst niedriger Ebene entschieden werden.

Dies ist ein Auszug des Interviews mit Achim Feige, das in der Schweizer Tageszeitung „20 Minuten“ inklusive Bild-Slider erschien: » „Europa muss sich als Mitmach-EU neu erfinden“


Diese Artikel auf Brand Trust Insights könnten Sie interessieren:

» Die Marke Europa ist zum Ladenhüter verkommen

» Nach dem Brexit: Europa darf nicht zum „Out-Brand“ werden

» Kilian Kleinschmidt bei BrandTrust: „Wir müssen auf die Impulse der Welt reagieren“

» Die Marke Europa: ihre Kontraste machen sie stark




Meistgelesene Artikel

Artikel

28. Januar 2019, Grundlagen

Einführung in die Markenarchitektur – so gelingt sie

Mehr erfahren

Artikel

Klaus-Dieter Koch

15. April 2019, Digitale Transformation

28 Learnings: Das prägt die Zukunft unserer Markenunternehmen

Mehr erfahren