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Die Marke Condor konzentriert sich auf das, was sie seit Generationen besser beherrscht als alle anderen: Sie fliegt Ziele an, die für Urlauber attraktiv sind. Bildquelle: © S.Kobold / Fotolia.com 

Warum ist Condor die beliebteste Marke am deutschen Reisehimmel?

Die Fluggesellschaft Condor wird von seinen Kunden wegen ihrer konsequenten Markenpositionierung mit Treue belohnt: Sie startete vor über 60 Jahren als Ferienflieger – und blieb seitdem Ferienflieger. Eine Konsequenz, die sich noch heute auszahlt.

Wie gute Markenführung mit kundenorientierten Spitzenleistungen aussieht, bewies Condor im Laufe ihrer über sechzigjährigen Geschichte gleich mehrmals.

Der Urlaubsflieger Condor ist der Qualitätsführer unter den Fluggesellschaften Europas. Die Gründe: das exzellente Preisleistungsverhältnis, der gute Bordservice, das Vertrauen in die Zuverlässigkeit und die hohe Weiterempfehlungsrate. Dieses Markenerlebnis katapultiere die Fluggesellschaft an die Spitze in der Kategorie Kundenzufriedenheit, ergab eine Umfrage des Deutschen Instituts für Servicequalität unter 1.000 Passagieren.

Auf dem Siegertreppchen stehen noch KLM und Turkisch Airlines. Auf den hinteren Plätzen landen alle Billigairlines vom Schlage Ryanair bis Eurowings. Die Lufthansa taucht beim Preis-Leistungs-Verhältnis abgeschlagen auf Platz neun auf. Offensichtlich prämieren Condors Fluggäste die seit Jahren klare Markenpositionierung der Fluggesellschaft mit einer ausgeprägten Anhängerschaft.

Fehler behoben: Condor hieß nur zwei Jahre lang Thomas Cook

Während der erste Billiganbieter der Branche, Norwegian Airlines, für 120 Euro die Langstrecke nach New York bediente und die einst für ihre Qualitätsführerschaft bekannte Lufthansa mit der Marke Euro/Germanwings ins Mittelpreissegment abstieg, blieb Condor seiner Rolle als Ferienflieger treu, seit seinem Gründungsjahr 1955. Daran änderten die Eigentümerwechsel ebenso wenig wie der missglückte Versuch, die in Deutschland beliebte Marke Condor 2002 in Thomas Cook umzuwandeln: 2004 erhielten die Flugzeuge wieder den alten Markennamen, nachdem Kunden und Mitarbeiter einen offenen Kampf für „ihre" Marke geführt hatten.

Der Reiseflieger hatte im Laufe seiner über sechzigjährigen Geschichte durchaus Konkurrenz. 24 Jahre nach seiner Gründung startete Airberlin im Jahr 1979 auf der Strecke Berlin – Mallorca und entwickelte sich schnell zu einer stark wachsenden Airline mit Schwerpunkt Urlaubsziele. Erst als Airberlin der Lufthansa als Vollanbieter von Flugstrecken die Stirn bot, begann der Abstieg Airberlins, einer bis zur Unkenntlichkeit gedehnten Marke. Verspätungen, Ausfälle und eine unklare Preispositionierung gerieten zum emotionalen Erkennungszeichen der Kunden für die Airline – mit der Warnfarbe rot. Die Gier nach der Führerschaft am deutschen Reiseflugmarkt hatte diese einst beliebte Marke aufs Abstellgleis geschoben.

Agilität: Die Ferienfliegermarke erfand sich immer wieder neu

Ganz anders lief es bei Condor: Die Marke blieb sich treu, als verlässlicher Flieger zu den beliebtesten Ferienzielen der Deutschen. Allerdings hätte das nicht gereicht, um sich im immer stärker umkämpften Flugmarkt zu behaupten.

Wie gute Markenführung mit kundenorientierten Spitzenleistungen aussieht, bewies Condor im Laufe ihrer Geschichte gleich mehrmals: als erster Ferienflieger setzte die Fluggesellschaft, zum Erstaunen der Urlauber, den Jumbo 747 ein. Sie führte die Premium-Economy-Klasse ein, als andere noch gar nicht daran dachten. Sie erfand das „Airshopping", damit die Kunden vor Ferienantritt vom Sofa aus steuerfrei einkaufen können. Über 1.000 Produkte sind lieferbar, mit kräftigen Preisabschlägen zum Vorteil der Kunden.

Anstatt teure Experimente zu wagen und sich in Geschäftsfeldern zu tummeln, die eher den Konzernvorteil im Blick haben als den Kundennutzen, konzentrierte sich Condor auf das, was sie seit Generationen besser beherrscht als alle anderen: Sie fliegt Ziele an, die für Urlauber attraktiv sind und lässt sich nicht in die billigste Preisschiene schieben, die den guten Kundenservice gefährden würde. Mit Condor zu fliegen, ist nicht billig – und trotzdem sind die erfahrenen Kunden bereit, für den guten Service und das bewiesene Vertrauen den angemessenen Preis zu bezahlen.

Harter Wettbewerb: Condor fliegt derzeit Verluste ein

Auf dem Flugreisemarkt ist es eng geworden: Um den weltweit wachsenden 750-Milliarden-Kuchen kämpfen (zu) viele Player. Deshalb kämpft auch die „Love Brand" Condor mit sinkenden Margen und braucht einen strengen Sparkurs. Zumindest musste sie sich bislang nicht für Löcher im Rumpf der Maschine rechtfertigen (wie Airberlin), tagelange Streiks von Piloten im Kampf um Privilegien erdulden (wie die Lufthansa) und sich für Übergriffe des Sicherheitspersonals auf Passagiere entschuldigen (wie United Airlines). Condor behielt seine weiße Weste, auch wenn es in Izmir 1988 durch einen Navigationsfehler des Piloten zum – einzigen – Absturz einer Condormaschine mit 16 Toten kam.

Zukunft: Condors Fitness steht auf dem Prüfstand

Auch wenn eine Marke wie Condor bei ihren Kunden den Glaubwürdigkeits- und Attraktivitätstest meistert, steht die große Bewährungsprobe noch bevor: Weil sich Umstände und Umfelder mit großer Geschwindigkeit ändern, müssen selbst die etabliertesten Marken ihre Geschäftsmodelle neu ausrichten. Für Condor stellen sich drei grundsätzliche Fragen:

  1. Nach welchen Kriterien werden die Menschen in Zukunft ihre Reiseentscheidungen treffen? Und welche Rolle wird die Marke spielen?
  2. Wird es ausreichen, einen Teil der gesamten Wertschöpfungskette einer Reise exzellent abzudecken? Und wie wäre das zu finanzieren?
  3. Wo liegen die Wachstumstreiber für das neue Reisen einer Generation, die mit der Erfahrung aufwuchs, dass die Reisekosten immer billiger werden?

Die noch starke Marke Condor darf sich nicht sicher fühlen, wie es jene ehemals großen Marken taten: Nokia, Agfa, Kodak, Yahoo, Quelle oder Braun – ihre Markennamen klingen noch in den Ohren einer älteren Generation, die sich daran erinnert. Allen ist gemein, dass sie sich weigerten, zum nötigen Zeitpunkt ihre Stärke in Frage zu stellen und den sich ändernden Umständen uneinsichtig trotzten. Das ist für Marken tödlich.

 

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